Sensing Loss
Sensing Loss ist eine Zusammenarbeit zwischen Cement Fields, der Floating University Berlin und Three Rivers. Das Projekt widmet sich den vielen Formen des Naturverlusts an drei Standorten in Deutschland und England und untersucht, wie ökologische Veränderungen in Landschaften erfahren, erinnert und verhandelt werden.
https://www.cementfields.org/
https://threeriversbexley.org/
Ausgehend von den Kontexten in Berlin, Bexley und North Kent knüpft das Projekt Verbindungen zwischen Landschaften an den Rändern urbaner Expansion, in denen industrielle Infrastrukturen, menschliche Nutzungen und mehr-als-menschliches Leben eng miteinander verflochten sind. Die hier geplanten oder bereits umgesetzten Infrastrukturprojekte werden häufig als nachhaltig oder „grün“ bezeichnet. Gleichzeitig gefährden sie bestehende Ökosysteme und greifen tief in die ökologischen, sozialen und kulturellen Beziehungen ein, die diese Orte über lange Zeit geprägt haben.
Als internationaler Austausch bringt Sensing Loss Künstler*innen, Aktivist*innen und lokale Akteure zusammen, um ihre Erfahrungen von ökologischer Zerstörung, Verlust und Wandel miteinander zu teilen. Im Mittelpunkt stehen Landschaften, deren Lebensräume durch Bau- und Infrastrukturprojekte unter Druck geraten.
Durch ein hybrides Programm aus gemeinsamen Erkundungen vor Ort und digitalen Begegnungen entstehen Räume für Dialog, gegenseitiges Lernen und solidarische Verbindungen. Das Programm untersucht, wie künstlerische und verkörperte Praktiken dazu beitragen können, Erfahrungen von planetarem Verlust und der Enteignung von Land und Erde, zu verarbeiten und zu hinterfragen. Indem Sensing Loss Raum schafft, diesen Schmerz sichtbar zu machen, zu benennen und in Beziehung zu setzen, eröffnet das Projekt kollektive Formen des Erinnerns, Lernens und Widerstands.
Was bisher geschah
Das Programm begann mit einer Einladung an zehn Community-Organisator*innen, Künstler*innen und Forscher*innen, die eine langjährige Verbindung zu einer bedrohten, verschwundenen oder sich im Wandel befindenden Lebensform, einem Ort oder einem Ökosystem haben. Wir starteten mit einer Reihe von Online-Workshops. Den Auftakt machte Youngsook Choi, die uns anhand des Foreshadowing Project mit ökologischer Trauer vertraut machte. Im September kamen wir zu einem Online-Workshop mit Lara-Lane Plambeck von RE-PEAT zusammen. Gemeinsam erkundeten wir das Leben und Sterben von Moorlandschaften und kartierten Landschaften der Abwesenheit – Orte, an denen Moore verschwinden.
Parallel dazu begannen die Teilnehmenden in Berlin, die Floating University nach und nach zu erkunden. Bei gemeinsamen Spaziergängen vor Ort, durch Schreiben, Zeichnen und den Austausch von Geschichten setzten sie sich mit ökologischer Transformation und Sukzession im Regenwasserrückhaltebecken auseinander. In Bexley widmete sich ein Workshop im Crossness Nature Reserve dem Schutz von Lebensräumen, dem Verlust von Arten und dem Verschwinden der Feldlerchen.
Zusammenkommen im Herbst an der Floating University
Im Oktober kam die ‘Sensing Loss’-Gruppe aus North Kent an die Floating University, um dort für mehrere Tage mit der Berliner Gruppe zusammenzukommen. In Workshops und gemeinsamen Praktiken erkundeten wir, wie wir trauern, füreinander Sorge tragen und ökologischen Verlust gemeinsam wahrnehmen können. Durch Schreiben, Zeichnen, Zuhören, somatische Praktiken, Rituale, gemeinsames Kochen und Lesen setzten wir uns damit auseinander, was verloren geht und was entstehen kann, wenn wir uns der Trauer zuwenden und bei ihr verweilen.
Gemeinsam mit Cait Fisher und Kim Sanou von Organizing Otherwise hielten wir Inne und praktizierten ‘Being With’, ein gemeinsames Dasein, in dem wir uns von einem Ritual der Trauerbegleitung leiten ließen. Mit Jane Pitt lauschten wir aufmerksam den Geräuschen und Klangresonanzen des Regenwasserrückhaltebeckens und brachten diese zum Klingen. Jöran Mandik und Kilian Flade luden uns dazu ein, darüber nachzudenken, wie ökologische Verluste miteinander verwoben sind und wie wir ihrer gedenken können. Dabei flochten wir Schilf, knoteten und falteten Schnüre und träumten von der Umnutzung von Friedhöfen.
Goitseone Montsho führte uns in die Welt der Ruderalpflanzen, in Geschichten unserer Vorfahr*innen über verlorene Jahreszeiten und flüsterten zu unseren nicht-menschlichen Freund*innen, Geschwistern und Lehrenden. Mit Kohle und Erde übten wir, das Vergangene anzunehmen und das Kommende willkommen zu heißen. Mit Eliza Chojnacka zeichneten und imaginierten wir Landschaften des Verlusts und des Wandels sowie Möglichkeiten des Sich-Faltens und Umklappens. Adam Moore zählte bis zwanzig, und wir spielten Verstecken, während die Worte von Gargi Bhattacharyya „We, the heartbroken“ auf spielerische und überraschende Weise in unserem gemeinsamen Trauern nachhallten.
Im kommenden Winter werden wir uns erneut treffen: auf der Isle of Sheppey in Großbritannien und rund um den Helenesee bei Frankfurt (Oder).
Um über das Projekt auf dem Laufenden zu bleiben oder bei Fragen, schreibt uns an sensingloss@floating-berlin.org.To stay informed on the project or more questions, write to us at sensingloss@floating-berlin.org
Sensing Loss Open Call (beendet)
(Der Open Call lief bis zum 15.07.2026)
Derzeit suchen wir Teilnehmer*innen für Sensing Loss, die das Programm über die gesamte Laufzeit begleiten. Insgesamt werden zehn Personen aus England und Berlin ausgewählt, die sich in ihren jeweiligen Kontexten mit ökologischem Verlust, Umweltveränderungen und ortsbezogenen künstlerisch-forschenden Praktiken auseinandersetzen.
Die Ausschreibung ist ab sofort offen. Bewerbungen sind bis zum 15. Juni 2026 möglich → bitte hier ausfüllen:
Das Flyer-PDF kann hier heruntergeladen werden Weitere Informationen zur Ausschreibung und zum Bewerbungsprozess sind dort ebenfalls zu finden. Bei Fragen schreibt uns gerne an: sensingloss@floating-berlin.org
Cement Fields
Cement Fields ist eine Organisation für bildende Kunst, die in Zusammenarbeit mit Künstlern und Gemeinden ambitionierte neue Kunstprojekte entlang der Themse-Mündung in North Kent ins Leben ruft. Unser Programm ist eine Erkundung von Ort und Prozess, geprägt von den vielfältigen, sich wandelnden Landschaften, die sich entlang der Themse von Dartford bis Whitstable erstrecken. Es ist ein Ort, an dem Grenzen verschwimmen, an dem geschäftige Stadtzentren neben Industriegeländen liegen, an dem sich das Wasser in Sümpfen und Feuchtgebieten verlangsamt und die Hauptverkehrsadern von Flüssen und Straßen ländliche Gebiete und die Küste verbinden.
Wir laden Künstler*innen, Teilnehmende und Publikum dazu ein, die einzigartigen Rahmenbedingungen von North Kent zu nutzen, um radikale Fragen zu stellen und neue Ideen zu erkunden. Durch diese Interaktion schaffen wir experimentelle neue Kunst und fördern die Fantasie, die Fähigkeiten sowie Wege in kreative Berufe.
Cement Fields ist stolz darauf, eine „National Portfolio Organisation“ zu sein, die mit öffentlichen Mitteln des Arts Council England und der University of Kent gefördert wird.
cementfields.org
Instagram: https://www.instagram.com/cementfields/
Facebook: https://www.facebook.com/CementFields/
LinkedIn: https://www.linkedin.com/company/cement-fields/
Three Rivers
Three Rivers ist eine von der Gemeinde getragene Kunstorganisation, die sich im Londoner Stadtteil Bexley mit den Themen Kultur, soziale Schichten und Klima auseinandersetzt und Mitglied des Programms „Creative People and Places“ des Arts Council England ist.
Seit 2021 hat die Organisation Tausende von Menschen dabei unterstützt, eine „Verbundenheit mit ihrem Ort“ zu entwickeln, indem sie durch langfristige Projekte wie „Tump 39“ – bei dem gemeinsam mit den Bewohnern von Thamesmead ein stillgelegtes viktorianisches Munitionsdepot als neuen Raum für Kunst und Ökologie neu konzipiert wird – und „Beneath the Pavement, The Marshes, das Künstler und Aktivisten mit lokalen Umweltgruppen zusammenbrachte, um sich für die bedrohten Feuchtgebiete von Bexley einzusetzen.
In 2025 Three Rivers became the first organisation in the UK to become a Zoöp and pioneer a groundbreaking model of collaboration between human and other-than-human-life.
threeriversbexley.org
Instagram: https://www.instagram.com/threeriversbexley/
Sensing Loss wird gefördert durch Cultural Bridge, ein Förderprogramm zur Stärkung bilateraler künstlerischer Partnerschaften zwischen dem Vereinigten Königreich und Deutschland. Beteiligt sind hierbei Arts Council England, Arts Council of Northern Ireland, British Council, Creative Scotland, Fonds Soziokultur, Goethe-Institut London und Wales Arts International / Arts Council of Wales.
Das Projekt setzt die Zusammenarbeit fort, die zwischen Cement Fields und der Floating University Berlin im Rahmen des vorherigen Cultural-Bridge-geförderten Austauschprogramms Wetland entstanden ist.