Eröffnung
Donnerstag, 2. Juli, 18–22 Uhr

Öffnungszeiten
Donnerstags 18–21 Uhr
Sonntags 14–18 Uhr

Floating e.V. eröffnet „Lebende Infrastruktur“ – eine Ausstellung vor Ort, die acht Jahre experimentelles Lernen und gemeinsames Leben mit dem Regenrückhaltebecken in Kreuzberg feiert. Über den gesamten Sommer hinweg zeigt die Ausstellung die Transformation einer technischen Wasserinfrastruktur in ein fortlaufendes öko-soziales Experiment des Zusammenlebens verschiedener Spezies.

Kommt am 2. Juli zur Eröffnung mit geführten Touren auf Deutsch und Englisch, gemeinsamem Essen, Audio-Walk und Open-Air-Filmvorführung.

Programm

18:00 Uhr: Begrüßung durch Floating e.V.

18:30 Uhr: Geführte Touren (Deutsch & Englisch)

19:30 Uhr: Snacks und Getränke

21:30 Uhr: Filmvorführung

Lebende Infrastruktur

8 Jahr Floating University

Die Floating University feiert acht Jahre gemeinsame Koexistenz mit dem Regenwasserrückhaltebecken des Flughafens Tempelhof. Die Ausstellung erzählt von der Transformation einer technischen Infrastruktur in ein fortlaufendes öko-soziales Experiment, welches das Zusammenleben einer Vielzahl von Lebewesen ermöglicht.

Floating wurde Teil der verschlungenen, widersprüchlichen und vielstimmigen Geschichte des Beckens, welche über mehr als 100 Jahre zurück reicht und eine Vielzahl von Menschen, Tieren, sozialen Normen, Institutionen, Pflanzen, Dingen und Lebewesen verbindet: Ingenieur:innen, Stadtverwaltungs Mitarbeiter:innen, Betreiberfirmen, Bürokratien, Kleingärtner:innen, ein Architekturkollektiv, Bewohner:innen Berlins, über sechzig Mitglieder eines Vereins, Studierende verschiedener Universitäten, Schüler:innen aus der ganzen Stadt, Theoretiker:innen und Praktiker:innen, Künstler:innen und Wissenschaftler:innen; aber auch Verträge, Baugenehmigungen, Lobbyarbeit, Wartungsprotokolle; Tore und Zäune, Türen und Gerüste, Schrauben und Holzplanken; Pflanzen eines Feuchtgebiets, Bäume, Insekten, Vögel und Säugetiere, belastetes Wasser, Kompost, und vieles mehr. Mit anderen Worten: ein urbanes Feuchtgebiet.

Wie viele Infrastrukturanlagen wurde auch dieses Becken ursprünglich als monofunktionale Einrichtung gebaut: staatlich geplant, von Fachleuten gewartet und trotz öffentlichen Eigentums weitgehend unzugänglich. 2018 öffnete raumlabor berlin gemeinsam mit weiteren Einzelakteur:innen diesen infrastrukturellen Ort als experimentellen Lernraum für urbane Praxis und öffnete temporär einen Stadtraum, der lange verschlossen blieb. Seit 2019 führt der gemeinnützige Floating e.V. diese Arbeit fort.

Floating e.V. handelt dabei nicht einfach als Mieter. Der Verein versteht seine Rolle anders: als eine selbstorganisierte Gruppe, die für ein urbanes Gewässer und sein komplexes Ökosystem Sorge trägt und den Ort zugleich als gemeinsamen Raum der Begegnung öffnet.
Die Sorge ist hierbei eine fortlaufende Praxis aus einem stetigen Aushandlungsprozess und der konstanten und sensiblen Pflege, Reparatur und Wartung der Strukturen, die diesen Ort für unterschiedliche Lebewesen begehbar und erlebbar machen. Sie bedeutet, beim Ort zu bleiben und Verantwortung für die vielen Bedingungen zu übernehmen, unter denen hier unterschiedliche Formen von Leben möglich werden: räumliche Strukturen erhalten und anpassen, das entstandene Ökosystem begleiten und schützen, verschiedene Gruppen einladen und willkommen heißen, politische und institutionelle Arbeit für die Zukunft des Ortes leisten und immer wieder Mittel zu organisieren, um all das weiterzuführen.
So wird Sorge zu einer umfassenden urbanen Praxis. Ökologische Prozesse, soziales Leben, Verwaltung, Material und Instandhaltung lassen sich hier nicht voneinander trennen. Das Becken ist nicht nur Wasserinfrastruktur, nicht nur Kulturort, nicht nur Biotop und nicht nur öffentlicher Raum. Es ist all das zugleich und gerade darin liegt seine Kraft.

Der Blick in die Zukunft richtet sich deshalb nicht darauf, diesen Ort auf eine eindeutige Identität und Nutzer:innenschaft festzulegen. Die Zukunft des Beckens liegt darin, seine Vielschichtigkeit und Hybridität zu bewahren und zu stärken: als funktionierende Wasserinfrastruktur, als wachsendes Feuchtgebiet, als Ort kollektiver Nutzung, kultureller Produktion und geteilter Verantwortung — jenseits gewohnter Modelle von Miete, Management oder öffentlichem Raum.

Floating e.V. is Adriana Gahona, Alexis de Raphelis, Andrea Hofmann, Andrew Wu, Anna Kokalanova, Benjamin Foerster-Baldenius, Benjamin Frick, Benoît Verjat, Berit Fischer, Camilla Bausch, Carla Kienz, Carmen Carolina Staiano Christof Mayer, Coco Wiss, David Morsi, Dorothee Halbrock, Eliza Chojnacka, Erika Mayr, Felix Wierschbitzki, Florian Foerster, Florian Kurzenberger, Florian Stirnemann, Franzisko Matthis, Garance Maurer, Gilly Karjevsky, Gülsüm Güler, Hannah Lu Verse, Inci Güler, Jade Dreyfuss, Jeanne Astrup-Chauvaux, Joanne Pouzenc, Jöran Mandik, Katherine Ball, Katja Szymczak, Kristin Lazarova, Laura Raber, Leonard Struebin, Lena Düspohl, Lisa van Heyden, Lorène Blanche Goesele, Lorenz Kuschnig Leford, Maddalena Pornaro, Mark Schmidt, Markus Bader, Martin Kaltwasser ✝, Martina Kolarek, Mauricio Corbalan, Nina Peters, Orlan Angeli, Raul Walch, Roman Karrer, Ronja Schratzenstaller, Rosario Talevi, Sabine Zahn, Sarah Bovelett, Serena Abbondanza, Sophia Tabatadze, Stefan Klopfer, Stefan Kreft, Silja Teresa Huppertz, Ute Lindenbeck.

Lebende Infrastruktur
8 Jahre Floating University

Credits

Kuratorinnen: Carmen Carolina Staiano, Jeanne Astrup-Chauvaux

Texte: Rosario Talevi
Text Floating Gardens: Lorène Blanche Goesele
Lektorat: Jeanne Astrup-Chauvaux, David Nil Morsi, Ute Lindenbeck
Übersetzung: David Nil Morsi

Grafische Gestaltung: Roman Karrer

Kommunikation: Lisa van Heyden

Audio Spaziergang: Hannah Lu Verse with Floating e.V.

Architektur: Lorenz Kuschnig, Florian Stirnemann, Felix Wierschbitzki

Gärten: Adriana Gahona, Lorène Blanche Goesele and Gardens community

Bilder: Lena Giovannazzi, Alexander Stumm, Tom Aschko, Mor Akadir, Pierre Adenis, Katharina Geist, Sebastian Díaz de León, Constanze Flamme, Daniel Seiffert, Lorenz Kuschnig, David Nil Morsi, Rosario Talevi, Garance Maurer, Silja Teresa Huppertz, Lorène Blanche Goesele und Floating. e.V. Mitglieder